Leseprobe - Die Schlucht der freien Hunde

Kapitel 5

Nachtwache

„Angetreten in Reih und Glied“, kommandiert Blacky leise. „Nase hoch! Abmarsch!“

Schattengleich gleiten wir an den schlafenden Häusern vorbei. Die Nasen jucken. Das Suchfieber hat uns gepackt. Die Nachtwache ist für den Hund eine Feierstunde.

Schon am Tag gibt es viele Gerüche, aber nachts kannst du in ihnen ertrinken. Der Himmel duftet, der Mondschein duftet, und selbst die Dunkelheit verströmt ein Aroma, in dem die Gerüche wie Nachtfalter schwirren. Man möchte einen jeden von ihnen erhaschen und auf der Nasenspitze balancieren wie einen Ball.

Die ganze Welt steckt voller Düfte. Hier ist eine Spur, dort eine andere. Hier ist jemand gelaufen, dort ein anderer herumspaziert und da ist ein Kater geschlichen. Hier ist ein Autoreifen vorbeigerollt, da haben sich zwei Jungs auf dem Boden geprügelt, und dort ist ein Ball rumgetitscht. Hier ist ein Brot auf den Boden gefallen und unter dem Stein dort sprießt Gras. Von all dem künden Gerüche.

Aber besonders viele Gerüche gibt es bei uns in der Schlucht. Sie ist eine riesige Schüssel randvoll mit Düften. Sie erschlägt dich mit Düften. Die Blumen haben ihre Kelche geöffnet und locken nächtliche Falter. Es gibt so viele verschiedene Düfte – honigsüße, bittere, zarte. Und einem jeden von diesen Gerüchen muss man nachgehen, um zu verstehen, woher er kommt.

Während der Nachtwache suchen wir die Hundepforte. Ein jeder Hund träumt davon, sie zu finden. Ich habe schon viel von der Pforte erzählen gehört. Die Hundepforte ist kleiner als eine Perle. Du kannst sie nur finden, wenn du direkt mit der Nase drauf stößt. Aber wenn du sie erst mal gefunden hast, wird sie so groß, dass jeder Hund durch sie durchpasst.

Hinter der Pforte wartet ein ganz anderes Leben. Es gibt wilde Tiere zu jagen und man wird immer satt. Du bist von Wiesen und Feldern umgeben und allein die Hunde haben das Sagen.

Pforte, Pforte, lasse dich finden! Pforte, Pforte, ich will mich nicht mehr schinden!

Wenn es in unserer Schlucht eine Hundepforte gibt, werde ich sie ganz sicher finden. Und wann sollte man die Pforte suchen, wenn nicht nachts. Nachts ruht die Schlucht. Nachts stört kein Autolärm und kein Schutt wird abgeschüttet. Nachts ist die Schlucht wie ein Zauberland.

Über dir ist nur der unendliche Himmel und der große milchige Spiegel.

In diesen Spiegel kann man immerzu schauen. Was du dort siehst, ist dir nah und doch fern. Man wird richtig traurig und möchte singen. Man will sich sein Leid von der Seele singen oder einfach nur etwas erzählen.
Und dann legt Krümel los. Er setzt sich hin, reckt sein spitzes Schnäuzchen zum Mond und stimmt mit zarter Stimme sein Lied an:

    Ich bin Krümmel, der kleine Hundelümmel.
    Ich leb so vor mich hin,
    weil ich am Leben bin.

   Nach und nach stimmen auch alle anderen ein:

    Ich bin Dacki,
    ich war mal reich und schön.
    Ach könnt ' ich nur noch einmal
    meine Kinder seh'n.

   In diesen Momenten denkt Dacki immer an ihre Welpen.

    Ich bin Smarty,
    gebildet und smart,
    Ich singe schöne Lieder,
    dann ist es nicht so hart!

   Und dann fängt auch Hinki zu winseln an:

    Geben Sie Hinki, geben Sie Hinki,
    geben Sie Hinki ein Stückchen Mond!

Und schließlich streckt auch Blacky seinen Hals zum Mond und schreit mit funkelnden Augen sein Lied in die Nacht:

    Ich bin Blacky:
    Bleibt, wo ihr seid!
    Ich will kein Mitleid!
    Schwarze Seele, schwarzes Fell.
    Stürzt euch auf sie mit Gebell. 


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